Diebstahl in der Apotheke vermeiden
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Inventurdifferenzen im Freiwahlsortiment
Zwischen 50% und 65% der Inventurdifferenzen in Apotheken entstehen durch Diebstahl im Freiwahlsortiment. Hierbei sind Kosmetikprodukte ebenso beliebt wie Markenprodukte der Nahrungsergänzung. Am HV-Tisch entstehen in der Regel zwischen 10% und 15% Inventurdifferenzen, meist ist der fehlende Artikel-Scan beim Kassieren Grund dafür. In diesem Fall sind Artikel der Freiwahl und Selbstmedikation betroffen. Zwischen 15% und 25% des Warenschwunds wird durch Personal verursacht und ist somit ebenfalls eine relevante Kenngröße. Personaldiebstahl ist ebenso unangenehm wie schwierig aufzudecken und bleibt daher oft unerkannt. Inventurdifferenzen durch Bruch oder Verfall spielen hingegen eine untergeordnete Rolle in der Apotheke.*
Viele kleine Einzeldelikte prägen das Bild in der Apotheke
Gewerbsmäßig organisierte Bandendiebstähle sind in der Apotheke eher selten. Betrachtet man die Gesamtzahl der Diebstähle im Verkaufsraum, wird deren Anteil auf unter ein Viertel geschätzt. Viel relevanter hingegen sind die vielen Einzeldelikte von zum Teil „Stammkunden“. Eine Creme hier und eine Ampulle dort machen in der Summe den Großteil der Diebstähle im Verkaufsraum der Apotheke aus. Oft werden Produkte ab einem Warenwert von EUR 30,- und mehr entwendet.
Diebstahl senken durch digitale Warenvorschübe
Um nun gezielt gegen Einzeldelikte in der Freiwahl vorzugehen, bieten sich neben baulichen Maßnahmen wie gut ausgeleuchtete Verkaufsräume oder Beobachtungspiegel zwei effektive Methoden an, die auch bereits im Einzelhandel erfolgreich genutzt werden:
1. die Art der Warenlagerung im Regal selbst
2. die artikelspezifische Warensicherung.
Bei der Warenlagerung im Regal bieten Warenkanalsysteme eine effektive Möglichkeit, ein Auswischen von ganzen Regalen in eine Einkaufstasche oder Kinderwagen zu verhindern. Werden diese Warenvorschübe mit einer speziellen Software verbunden, kann jede Artikelentnahme mit einem Piepton quittiert werden. Der potenzielle Dieb wird so auf die erkannte Entnahme dezent aufmerksam gemacht, ebenso wie das Personal im Verkaufsraum.
Diebstahl senken durch Warensicherungsetiketten
Die zweite Möglichkeit, effektiv Warensicherung zu betreiben, sind Warensicherungsetiketten, sogenannte RF-Softlabels. Das Prinzip ist ähnlich wie im Bekleidungseinzelhandel, wo der Diebstahl durch elektronische Artikelsicherung um bis zu 70 Prozent zurückgegangen ist. Im Einzelhandel werden oft sogenannte Hardlabels verwendet, die über einen Magnetschlüssel von der Kleidung entfernt werden müssen. Softlabels dagegen werden einfach auf jeden Verkaufsartikel geklebt oder in die Faltschachtel eingelegt und eignen sich deshalb sehr gut für die Apotheke. Am Ausgang des befinden sich Radiofrequenzantennen, die aktive Labels erkennen und den Alarm aktivieren, sollten diese nicht am HV deaktiviert worden sein. Solche Labels für den Einzelhandel bietet beispielsweise die niederländische Firma Nedap an.
Fazit
Beide Methoden in Kombination bieten einen sehr guten Schutz gegen Einzeldelikt-Diebstähle im Verkaufsraum. Die Warenvorschübe haben noch den erfreulichen Nebeneffekt, dass Planogramm-Lücken schnell vom Personal erkannt und aufgefüllt werden können. Elektronische Warenvorschübe können auch zur automatischen Nachbestellung von Artikeln über die Warenwirtschaft verwendet werden oder andere Prozesse z.B. Bestandsangabe für Online-Shops steuern.
* Quellen: EHI-Studie Inventurdifferenzen 2020; BD Rowa Marktumfrage 2019
Dirk Bockelmann ist Autor dieses Artikels und engagiert sich seit 2014 bei BD Rowa in der globalen Vertriebsentwicklung und Portfolioerweiterung. Dirk hat nachhaltig die Erfolgsgeschichte von BD Rowa mitgestaltet und engagiert sich, um innovative Retail-Themen in das BD Rowa Lösungsangebot für Apotheken einzubringen.
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