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Last Mile: Der letzte Kilometer zum Kunden in weniger als 60 Minuten

08.07.2021
-
Lesedauer 5 Minuten
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Allein der Gang in den Supermarkt dauert oft 10 Minuten oder mehr. In dieser Zeit wollen es einige Lieferdienste schaffen, die Bestellung von Lebensmitteln bis zur Tür zu bringen. Die Start-Ups konzentrieren sich dabei natürlich auf Ballungsräume. Anders wäre eine solche Super-Express-Lieferung nicht realistisch. Doch wie gut sind die Lieferdienste? Wie umfangreich ist die Auswahl bei Gorillas, Bring & Co? Wie groß sind die Liefergebiete? Und wie schnell liefern die Dienste? Wir versuchen einen Überblick zu geben und wagen einen Ausblick, was dieser Trend für die Apotheke der Zukunft bedeutet.

Lieferung in 10 Minuten: Wie funktioniert das?

Die Express-Dienste liefern aus unterschiedlichen Lagern, die sie in Innenstadtlagen gemietet haben. Dabei gilt: Je näher am Kunden, umso besser. Teils sind es nicht mehr genutzte Ladenlokale oder leerstehende Büroflächen. Insbesondere jene Flächen, die zwar zentral liegen, aber nicht gut für Laufkundschaft zu finden sind, sind für die Lieferdienste interessant. Denn Laufkundschaft oder Passanten vorm Lager stören nur, wenn eine Lieferung ansteht.

Nach einer Bestellung kann die Ware innerhalb von ein bis zwei Minuten durch eine effiziente Lagerstruktur, eine kleine Auswahl und eine geschickte Logistik verpackt und an den E-Bike-Fahrer vor der Tür übergeben werden. Der Fahrradbote hat dann noch fünf bis acht Minuten Zeit, die Tüte beim Besteller abzuliefern.

Der Onlinehandel mit Medikamenten wächst, das eRezept steht vor der Tür. Was passiert da gerade?

Vergleichbar ist diese Veränderung mit der des Handels im Allgemeinen. Immer mehr transaktionale Tätigkeiten werden auf den eCommerce Kanal verlagert. Die Konsumenten sind anspruchsvoll und genießen die komfortablen Bestell- und Liefermöglichkeiten. Im Hinblick auf das eRezept wird es den Patient:innen künftig noch einfacher gemacht, das Rezept digital an eine Apotheke zu schicken und um Lieferung zu bitten. Liefererwartungen zwischen 30 Minuten und 60 Minuten werden der neue Standard. In Deutschland engagieren sich hier BD Rowa, Noventi, Sanacorp und Wort & Bild gemeinsam mit PHOENIX Group im Rahmen von gesund.de. DocMorris hat mit seinem Marktplatz und TeleClinic auch eine Last-Mile Fulfillment Strategie. In Italien ist Pharmap bereits seit 2016 aktiv und liefert innerhalb von 60 Minuten Medikamente an Endkunden.

Was bedeuten diese Veränderungen für die Apotheke?

Die Anzahl der Rezept-Transaktionen, die zu Fuß durch den Verkaufsraum in die Apotheke kommen wird sich reduzieren. Weniger Patienten werden bereit sein, das eRezept oder das benötige OTC-Medikament persönlich in der Apotheke abzuholen. Unsere Schätzungen gehen davon aus, dass sich die Frequenz der Rezept- und OTC-Abholer, die selbst in die Apotheke kommen um 52%, also mehr als die Hälfte, bis 2030 reduzieren wird. 57% der Transaktionen kommen über einen elektronischen Weg direkt in das Back-Office der Apotheke und werden über die neue Logistik-Kompetenz innerhalb von 10 Minuten bereitgestellt.

Apotheken werden bis 2030 weitere Last Mile Angebote schaffen

Micro Fulfillment Center (MFC) im Backoffice der Apotheke bearbeiten die Aufträge und sorgen für die Bereitstellung der Medikamente. Botendienste zur Haustür und Pickup (Click&Collect)-Angebote werden die Strecke zum Patienten überbrücken. Dabei kommt es auf Geschwindigkeit und Nähe zum Kunden an. Doch was bedeutet Micro Fulfillment genau? Micro Fulfillment Center (MFC) bezeichnet die urbane, an die Apotheke angeschlossene, neue Logistikkompetenz der Apotheken. Es gibt viele Unternehmer, also Apotheker:innen mit einem geschärften kaufmännischen Sinn, die schon heute die Zeichen des Wandels im Handel erkannt und für die Apotheke interpretiert haben. Solche Visionäre erkennt man in der Regel an den aktuellen Projekten, bei denen es verstärkt um den Ausbau der regionalen Logistikkompetenz hinsichtlich Micro Fulfillment Center geht. Alle treibt der gleiche Gedanke; wie bekommt man die Last Mile möglichst schnell, effizient und profitabel organisiert, um der drohenden Konkurrenz von großen Online-Versandhäusern einen Wettbewerbsvorteil voranzustellen.

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Micro Fulfillment Center in der Apotheke: Wie sieht das aus?

Im Grundsatz geht es darum, die lokale Nähe und die Filialstruktur der Vor-Ort Apotheke zu nutzen, um den neu entstandenen Kundenwünschen und -erwartungen der Apothekenkundschaft nachzukommen. Diese Erwartungen werden hauptsächlich durch den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) forciert. Das Micro Fulfillment Center (MFC) der Apotheke ist dabei meist an die Hauptfiliale angegliedert und eine Erweiterung des Backoffice der Offizin. Aufträge werden direkt in ein Warehouse Management System (WMS) der Apotheke eingespeist und ein Auftragsbehälter, wie im Pharmazeutischen Großhandel, auf die Micrologistikstrecke geschickt. Das WMS kann dabei eine Kompetenz der Warenwirtschaft sein oder eine Erweiterung der heute gängigen Webshops. Die Aufträge werden so innerhalb von 10 Minuten nach Auftragseingang fertiggestellt und stehen zur Abholung im Click&Collect Terminal der Apotheke oder für den Botendienst zur Verfügung. Intelligente Steuerungen sortieren die Lieferungen in die optimale logistische Reihenfolge und leiten den E-Bike- oder KFZ-Boten. Die kalkulierte und über Google Traffic validierte Ankunftszeit wird dem Patienten über sein Bestellportal oder Webshop in Echtzeit zurückgespielt. Der Kreis der urbanen Micrologistik schließt sich.

Der neue Verkaufsraum in der Apotheke: Was geschieht im Frontoffice?

Folgt man diesem Trend, so liegt die Schlussfolgerung nahe, dass künftig weniger Kunden den Weg zu Fuß in die Apotheke wählen werden, um eine reine Transaktion abzuwickeln. Die Onlinealternative in Kombination mit den neuen Lieferversprechen ist sehr attraktiv. Man fragt sich: „Was bleibt?“ und „Was kann die Apotheke mehr?“. Die Aussichten sind vielversprechend: Eintritt in die Primärversorgung mit Tests und Impfungen, die zweite Meinung hinsichtlich Kontraindikationen und Nebenwirkungen, dermatologische Analyse und Produktberatung, Ernährungsberatung und -begleitung, Darmgesundheit-Aufbauberatung, die Liste kann mit vielen weiteren sinnvollen Gesundheitsthemen fortgeführt werden. Im Kern geht es immer um Kompetenzberatung im Kontakt zwischen Menschen.

Für die Gestaltung der Offizin von Morgen bedeutet dies die Schaffung von ruhigen Beratungsorten und flexibler Raumgestaltung für temporäre Impfräume mit Empfangstheke sowie die Möglichkeit das Frontoffice für Abendveranstaltungen zu öffnen und mit Sitzplätzen zu versehen. Mikro-Architektur ist das Schlagwort für Orte innerhalb des Ortes Apotheke. Flexible Möblierungskonzepte, die es dem Team erlauben in kurzer Zeit den Raum, also die Bühne, neu zu gestalten. Vergleichbar ist diese Idee mit einer Turnhalle. Jede Schulklasse baut sich den Parkour so auf, wie es für die jeweilige Sporteinheit vorgesehen ist. Alles was für den Kunden den Raumeindruck ausmacht, kann mit wenig Aufwand und Budget verändert werden. Dabei spielt das Thema Licht im Regal eine wichtige Rolle, um zum einen den Produktfokus zu erhöhen und zum anderen den Raum emotionaler aufzuladen; auch außerhalb der Öffnungszeiten ist das Sortiment perfekt durch das Licht im Regal in Szene gesetzt.

Über den Autor

Dirk Bockelmann ist Autor dieses Artikels und engagiert sich seit 2014 bei BD Rowa in der globalen Vertriebsentwicklung, Portfolioerweiterung und als Trendscout. Dirk hat die Erfolgsgeschichte von BD Rowa nachhaltig mitgestaltet und engagiert sich, um neue innovative Trendthemen aus anderen Bereichen des Handels, Gesundheitswesen und Logistik zu finden und für BD Rowa und den Apothekenmarkt zu interpretieren.

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